Zuweisungskriterien

Frauengruppen können in ein gemischtgeschlechtliches Team mit verschiedenen Altersschwerpunkten eingebunden sein. Die Zuweisung in spezielle Frauengruppen erfolgt unter Berücksichtigung der Vorinformationen durch die zuweisende Stelle, Anamneseerhebung und Diagnostik auf der Aufnahmestation und die durch Erstgespräche in der Aufnahmegruppe gewonnene Kenntnis der Patientinnen.


Kriterien für eine Zuweisung zur Frauengruppe sind:

  • schwere körperliche und seelische Gewalterfahrung
  • sexuelle Traumatisierungen und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft
  • Probleme der Geschlechtsidentität und Konflikte mit der Geschlechtsrolle
  • gestörtes Essverhalten (Anorexie, Bulimie, Adipositas)
  • selbstverletzendes Verhalten
  • Kompensation früher Gewalterfahrungen durch Promiskuität bis hin zu Prostitution

Frauen mit den oben beschriebenen Erfahrungen und insbesondere auch jüngere Frauen mit zum Teil massiven Reifungs- und Entwicklungsstörungen sind in gemischtgeschlechtlichen Gruppen oft überfordert, da es für sie sehr schwer ist, sich abzugrenzen und über ihre Erlebnisse oder Beziehungsängste und -probleme zu berichten. Eine homogene Frauengruppe bietet hier einen geschützten und sicheren Rahmen, in dem Patientinnen ihre Angstschwelle überwinden und über ihre traumatischen Erlebnisse oder Störungen berichten können, dabei in einem vertrauensvollen Klima auf Verständnis und andere weibliche Orientierungspersonen stoßen und somit ihre Erfahrungen besser be- und verarbeiten können.

Die Fähigkeiten zur Grenzsetzung sind in der Regel, insbesondere bei Frauen mit erlebten sexuellen Traumatisierungen, erheblich eingeschränkt. Die Grunderfahrung, nicht über sich selbst und den eigenen Körper bestimmen zu können, wird als auslösend dafür betrachtet, dass auch im weiteren Leben die eigenen Bedürfnisse nicht angemessen erkannt und die Grenzen sowohl körperlich als auch psychisch nicht geschützt werden können. Insbesondere hier bietet die Frauengruppe einen wichtigen Schutzraum.

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