Suchtmittelabhängigkeit hat immer auch geschlechts- und geschlechtsrollengebundene
Aspekte.
So verinnerlichen Mädchen und heranwachsende Frauen im Verlauf ihrer Sozialisation
die Rollenerwartungen, die sie durch Eltern, Geschwister, Schule, Religion oder
Medien bewusst oder unbewusst vermittelt bekommen. Noch immer gehören zu dem weiblichen
Bild als Resultat dieser kulturellen Einflüsse häufig Attribute wie z.B.
- passiv
- schwach
- sanft
- harmonisierend
- abhängig
In der Folge definiert sich Frau oft über Andere, d. h. über Beziehungen. Sie übernimmt
¬helfende und sorgende Rollen in Ehe, Partnerschaft, Familie und Beruf. Dies führt
dazu, dass Frauen Wünsche und Bedürfnisse der anderen wichtiger nehmen als die eigenen.
Es fehlt ein angemessenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen. Von unseren Patientinnen
haben wir gelernt, dass Frauen zudem allzu häufig still und unauffällig in Lebensumständen,
die durch Gewalt, Missbrauch oder Ungerechtigkeit gekennzeichnet sind, verharren,
was nicht selten die Entwicklung einer psychischen und/oder somatischen Erkrankung
begünstigt und zu dem Versuch führt, die Probleme mit Alkohol- und Medikamenteneinnahme
zu bewältigen.
Im Vergleich zu Männern entwickeln Frauen häufiger eine Medikamentenabhängigkeit.
Auch eine kombinierte Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten ist bei Frauen häufiger
und Frauen leiden mehr als Männer an psychosomatischen und psychoneurotischen Erkrankungen,
vor allem aber werden diese auch bei Frauen häufiger diagnostiziert.