Behandlungskonzept
Eine stationäre Langzeitentwöhnung, die den Cannabisabhängigen für einen längeren Zeitraum in örtliche Distanz von seiner Peergruppe in einem abstinenzorientierten Rahmen behandelt, bietet die Möglichkeit, die psychischen Probleme, die zur Abhängigkeit geführt haben, aufzuarbeiten, Entwicklungsverzögerungen und suchtmittelbedingte Defizite zu verbessern.
Oftmals ist es in der Vorbereitung schwierig festzulegen, in welchem Behandlungsrahmen ein cannabisabhängiger Patient behandelt werden soll, zumal begleitende substanzbezogene Störungen die Regel sind, aber zumeist keine Opiate konsumiert werden. Soll und möchte der Patient in eine Klinik, in der hauptsächlich Abhängige von illegalen Drogen behandelt werden, oder doch in eine Klinik, in der keine „Junkies“ sind.
Die Fachklinik Fredeburg und ihre ausgelagerte Abteilung zur Behandlung von Drogenabhängigen, die Fachklinik Holthauser Mühle, haben deswegen ein gemeinsames Konzept für die Behandlung von Patienten mit einer Cannabisabhängigkeit als Hauptdiagnose entwickelt. Indikativ können je nach sozialer Integration, Vorgeschichte, Konsummuster und Alter diese Patienten in beiden Kliniken in gemischten Gruppen mit anderen Patienten behandelt werden. Dies ermöglicht eine sehr passgenaue Zuweisung und individuelle Behandlungsplanung und eine sehr konkret am Patienten orientierte und damit Erfolg versprechende Rehabilitation. Die Entscheidung, welches Setting gewählt werden soll, kann unter Einbezug des Leistungsträgers und der Vorbehandler vor Ort getroffen werden. Der Patient, der beide Behandlungsmöglichkeiten kennenlernen kann, ist in die Entscheidung gleichberechtigt einbezogen. Die Therapiedauer für jüngere Patienten (bis 25 Jahre) beträgt 16 bis 24 Wochen, für ältere bis zu 16 Wochen.
Da viele Cannabiskonsumenten recht jung sind, bietet sich für die meisten Cannabisabhängigen eine Behandlung in einer unserer Juniorengruppen an (Alter 18 bis 25 Jahre). Ältere Cannabisabhängige können je nach Indikation in einer der anderen Bezugsgruppen behandelt werden. Neben dem Basisprogramm (Gruppenpsychotherapie, Sucht- und Rückfallpräventionsgruppe, Großgruppen, Einzelpsychotherapie, Sport- und Bewegungstherapie, Beschäftigungstherapie, bestimmte Formen der Arbeitstherapie und Informationsgruppen) können die Patienten ihre Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen im Hirnleistungstraining verbessern. Wie bei den Junioren sind oft eine ausführliche arbeits- und berufsbezogene Eingangstestung und ein entsprechendes Training sowie eine berufsbezogene Beratung erforderlich. Die lebenspraktischen Fähigkeiten können durch ein hauswirtschaftliches Training und, bei bestehender Indikation, durch die Teilnahme an einem Kochkurs gefördert werden.
Einen hohen Stellenwert hat der hoch strukturierte Tagesablauf, da vor der Therapie der Tagesablauf des Cannabisabhängigen in der Regel ausschließlich vom Suchtmittelkonsum geprägt war. Unter diesem Aspekt nimmt auch die Freizeitgestaltung einen zentralen Stellenwert ein. Die Überwindung der eigenen Passivität durch Selbstaktivierung, Zutrauen zur eigenen Leistungsfähigkeit und Spaß an Freizeitaktivitäten ist das Ziel von Sportangeboten und unsere motivationalen Interventionen zur Nutzung des Freizeitangebotes der Klinik.
Im Einzelfall ist zu prüfen, ob nach der medizinischen Rehabilitation Phase 1 eine Adaptionsbehandlung, betreutes Wohnen oder eine ambulante Nachsorge notwendig ist.