Angehörige von Suchtkranken
Eine Suchterkrankung belastet nicht nur den Suchtkranken selbst, sondern auch sein
unmittelbares soziales Umfeld und hier insbesondere seine Familie. Angehörige von
Suchtkranken haben ein erhöhtes Risiko, selbst krank zu werden. Besonders häufig
sind psychosomatische Störungen wie depressive Verstimmungen ("Burn-out"-Syndrom),
Anpassungsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen und Angststörungen. Die
Betroffenen müssen häufig mit ihren Problemen alleine fertig werden und finden keine
speziell auf ihre Problematik zielenden Hilfen.
Schon lange lag uns das Leid der Partner, Kinder und Eltern unserer Patientinnen
und Patienten besonders am Herzen. Wir haben deswegen gemeinsam mit der benachbarten
Internistisch-Psychosomatischen Fachklinik Hochsauerland das erste spezifische rehabilitative
Angebot für Angehörige von Suchtkranken, die an einer eigenständig behandlungsbedürftigem
psychosomatischen Erkrankung leiden, entwickelt.
Das Behandlungsangebot
Neben der fachkompetenten Behandlung des psychosomatischen Leidens erfolgen:
- die individuelle Analyse und Aufarbeitung der spezifischen psychischen und sozialen
Belastungen, die aus der Beziehung zu einem Suchtkranken resultieren,
- die Überprüfung bzw. Aufdeckung möglicher ursächlicher Zusammenhänge zur psychosomatischen
Erkrankung
- die Entwicklung von Lösungs- und Veränderungsstrategien sowohl individuell als
auch im System der Suchtfamilie (wie verhält sich z. B. eine Ehefrau zukünftig gegenüber
einem noch trinkenden Partner?)
Die auf das psychosomatische Leiden zielende Behandlung wird ergänzt um
- eine Indikations- und Therapiegruppe für Angehörige
- Partner- und Familienseminare
- begleitende Einzelpsychotherapie zur speziellen Thematik
- Hospitationen in den Therapiegruppen der Fachklinik Fredeburg
Der Angehörige soll lernen, für seine Gesundung, nicht aber für die des suchtkranken
Partners verantwortlich zu sein. Oft ist es wichtig, sich nach der stationären Therapie
einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anzuschließen. Wir helfen bei der Vermittlung
und können dabei auf unsere in Jahrzehnten gewachsenen Kontakte zum ambulanten Suchthilfesystem
und der Selbsthilfe zurückgreifen.
Eine besondere Variante des Angehörigenprojekts bietet die sog. Parallelbehandlung
in der Fachklinik Hochsauerland. Dabei absolvieren das suchtkranke Familienmitglied
und der/die Angehörige ihre Behandlungen gleichzeitig. Dies ermöglicht eine intensive
familientherapeutische Arbeit weit über die Möglichkeiten der üblichen Familienseminare
hinaus. Dieses Angebot kann natürlich auch von Angehörigen von Patienten/innen der
Fachklinik Holthauser Mühle (ausgelagerte Abteilung zur Behandlung Abhängiger von
illegalen Drogen) genutzt werden.
Beantragung
Bei vorliegender rehabilitationsbedürftiger Erkrankung wird der Antrag gemeinsam
vom behandelnden Arzt und der Patientin oder dem Patienten beim zuständigen Leistungsträger
gestellt.